Perspektiven für Lehrende
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Gesprächsleitfaden lang:
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Gesprächsleitfaden (lang)
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Für Lehrkräfte – bei Verdacht oder Bekanntsein von Essstörungen / Körperbildstörungen
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Grundprinzipien (vorab)
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Nicht diagnostizieren – nur Beobachtungen ansprechen.
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Nicht über den Körper sprechen – keine Kommentare zu Gewicht, Essen, Aussehen.
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Keine Konfrontation, kein Druck, sondern Beziehungs- und Sicherheitsangebot.
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Ressourcenorientiert, nicht moralisch oder kontrollierend.
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„Begleiten statt verbieten“ – vor allem bei Social-Media-Themen.
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Privatsphäre, Schutz und klare Grenzen beachten.
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Bei akuter Gefahr → schulische Meldekette einhalten.
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PHASE 1 — Vorbereitung des Gesprächs
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(2–3 Minuten)
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Rahmen setzen
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ungestörter Raum (kein Durchgangsverkehr)
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Handy weg, Laptop zu
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Sitzanordnung: nicht gegenüber, eher schräg → weniger Druck
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Ton: ruhig, wertschätzend, langsam
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Innere Haltung der Lehrkraft
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Ich muss nichts "lösen".
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Ziel ist Verstehen, Öffnen, Stabilisieren.
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Ich gebe Orientierung, keine Therapie.
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PHASE 2 — Einstieg / Kontaktaufbau
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(3–5 Minuten)
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Beziehungsangebot formulieren
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Beispiele:
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„Ich möchte kurz mit dir sprechen, weil mir wichtig ist, wie es dir gerade geht.“
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„Ich merke, dass du in letzter Zeit belastet wirkst – ich würde gern hören, wie du das selbst erlebst.“
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Wichtig: keine Mutmaßung über Essstörung äußern.
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Stattdessen neutrale, beobachtbare Fakten nennen:
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Geeignet:
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„Mir ist aufgefallen, dass du dich in den Pausen zurückziehst.“
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„Ich sehe, dass du oft erschöpft wirkst.“
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„Du wirkst gestresst und angespannter als früher.“
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Nicht geeignet:
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❌ „Du hast abgenommen.“
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❌ „Du isst nichts mehr.“
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❌ „Du bist zu dünn / zu dick.“
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❌ „Hast du eine Essstörung?“
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PHASE 3 — Offenes Explorieren
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(7–10 Minuten)
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Ziel: Verstehen, wo die Schüler:in steht – ohne Druck, ohne Suggestion.
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3a) Türöffnerfragen für mögliche Betroffene
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„Wie geht es dir gerade im Alltag?“
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„Was beschäftigt dich zurzeit besonders?“
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„Gibt es Momente, in denen es dir schwerfällt, gut für dich zu sorgen?“
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„Wie erlebst du den Druck, der gerade auf dir liegt – in der Schule, privat oder online?“
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„Wie fühlst du dich, wenn du auf Social Media unterwegs bist? Entspannt oder eher unter Druck?“
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3b) Vertiefende Fragen (wenn Gespräch gut läuft)
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„Was hilft dir an anstrengenden Tagen – was nicht so sehr?“
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„Was wünschst du dir, wie der Schulalltag für dich sein sollte?“
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„Gibt es Situationen, in denen du dich unsicher fühlst, z. B. im Sportunterricht, bei Gruppenarbeiten oder beim Essen vor anderen?“
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„Hast du jemanden, mit dem du über schwierige Themen sprechen kannst?“
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Wichtig:
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→ Kein Nachfragen über konkrete Essmengen, Gewichte, Symptome, Kalorien.
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3c) Für bekannte Betroffene
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Sensibel, nicht kontrollierend:
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„Wie geht es dir gerade mit dem, was du durchmachst?“
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„Gibt es Dinge in der Schule, die deinen Umgang mit Essen/Körperbild erschweren?“
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„Wie kann ich dir helfen, dass du dich hier sicher fühlst?“
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„Woran könnte ich erkennen, dass du Unterstützung brauchst?“
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„Was ist in letzter Zeit besser geworden, was eher schwieriger?“
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PHASE 4 — Stabilisierung & Orientierung
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(5–10 Minuten)
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Ziel: Sicherheit, Entlastung und realistische Optionen vermitteln.
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4a) Validierung und Entlastung
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„Danke, dass du das mit mir teilst.“
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„Das klingt wirklich schwer – und gleichzeitig mutig, dass du darüber sprichst.“
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„Du musst damit nicht allein bleiben.“
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„Es ist absolut okay, Unterstützung anzunehmen.“
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4b) Psychoedukative Mini-Impulse (ohne Belehrung)
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Sanft, knapp, nicht belehrend:
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„Viele Jugendliche empfinden viel Druck durch Social Media – du bist damit nicht allein.“
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„Der Körper reagiert stark auf Stress, und manchmal zeigt sich das im Essverhalten.“
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„Es gibt Wege, wie du wieder mehr Stabilität bekommst – Schritt für Schritt.“
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4c) Ressourcenorientierung
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„Was hat dir in der Vergangenheit geholfen, wenn du dich überfordert gefühlt hast?“
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„Welche Personen geben dir ein gutes Gefühl?“
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„Gibt es Aktivitäten, die dir Kraft geben oder dich beruhigen?“
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PHASE 5 — Weiterführende Hilfe / Schutz
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(5 Minuten)
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Wichtig: Nicht drängen, sondern optionales Angebot.
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Niedrigschwellige Formulierungen
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„Ich denke darüber nach, ob es hilfreich wäre, jemanden dazuzuholen, der dich gut unterstützen kann. Wie klingt das für dich?“
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„Wir können gemeinsam entscheiden, wer ein guter Ansprechpartner wäre – Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft, Eltern, Therapeut:in.“
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„Du musst heute nichts entscheiden.“
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Bei akuter Gefahr (Selbstverletzung / Entzug / Suizidgedanken)
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→ Verbindlicher Übergang zu Fachstellen, kein Zögern.
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Sätze für den Ernstfall:
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„Was du beschreibst, ist ernst – und ich möchte, dass du schnell gute Hilfe bekommst.“
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„Ich bin verpflichtet, dafür zu sorgen, dass du geschützt bist. Ich begleite dich jetzt weiter.“
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PHASE 6 — Abschluss & Vereinbarung
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(2–3 Minuten)
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„Danke, dass du mit mir gesprochen hast.“
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„Möchtest du, dass wir in ein paar Tagen noch mal kurz sprechen?“
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„Du kannst jederzeit zu mir kommen, wenn etwas ist.“
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„Du bist nicht allein – wir gehen das Schritt für Schritt an.“
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Optional:
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→ Mini-Ziel vereinbaren („Bis zum nächsten Gespräch beobachtest du mal, was dir Energie nimmt und was dir gut tut.“)
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Do’s & Don’ts – Zusammenfassung
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Do’s
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✔ Beobachtungen schildern, nicht Interpretationen
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✔ Offene Fragen, aktive Zuhören
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✔ Validieren („Das klingt schwer“, „Danke für dein Vertrauen“)
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✔ Sicherheit geben
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✔ Unterstützungsoptionen anbieten
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✔ Keine Schuld, kein Druck
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Don’ts
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❌ Kommentare über Gewicht/Essmenge
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❌ Diagnosen wie „du hast eine Essstörung“
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❌ Konfrontation („Du musst essen!“)
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❌ Vergleiche („Andere haben auch…“)
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❌ Triggernde Worte („dick“, „Kalorien“, „Fasten“)
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❌ Social Media verteufeln
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❌ Versprechen, die die Schule nicht halten kann („Ich sage das niemandem“)